Nachgedacht

Wortverliebt #10minBlog

Ja-Wort geben

Sprache ist etwas Großartiges! Mit der grandiosen Aktion #10minblog von Maren Martschenko möchte ich mich heute freischreiben und ein kleines Plädoyer für die Sprache abgeben. Denn ich bin wortverliebt. Ich liebe Worte und ihre Kraft, ihre Bedeutung und ihre Wirkung. Bei einer Aktion, die sich im Titel mit nur einem Wort beschäftigt, zu dem man dann einfach nur drauf los schreibt, muss ich einfach mitmachen. Hier kommen also ein paar Gedanken dazu, wild in 10 Minuten aneinandergereiht, ohne Lektorat und Struktur. Einfach nur geschrieben, wie es mir in den Sinn gekommen ist.

Worte bringen mich zum Grübeln. Bereits im Gespräch frage ich mich, warum mein Gegenüber gerade genau dieses eine Wort verwendet hat. Was hat er in seinem Leben erlebt? Wer hat ihn geprägt? Wie sieht seine Gedankenwelt aus, dass er genau jetzt in diesem Augenblick aus tausend unterschiedlichen Synonymen dieses eine Wort statt eines anderen gewählt hat? So lerne ich, Menschen durch ihre Worte zu verstehen, ihren Kontext zu verstehen. Und als PR-lerin weiß ich, dass ich diese Denkweisen durch Worte beeinflussen kann. Dass ich durch Worte Gedanken steuern, Bilder säen und Gefühle vermitteln kann. Ist das nicht total spannend? Auch die Art und Weise, wie ich ein Wort in den Satz einbaue – vorn, hinten oder als Einschub in der Mitte – verleiht ihm eine gewisse Schwere.

Worte bringen mich zum Schmunzeln und zum Schwelgen. Ich liebe Wortspiele. Ich liebe Ideen, die entstehen, wenn man einfach mal mit Worten spielt. Worte entfesseln Gedanken, lassen sie in eine neue Richtung fließen. Bei mir im Freundeskreis bin ich immer die mit den Wortspielwitzen. (Zum Glück gehört mein Mann auch in diese Kategorie Humor, weshalb wir manchmal Tränen über ein gelungenes Wortspiel lachen.) Ich liebe unkonventionelle Worte. Manchmal denke ich mir selbst welche aus, die es gar nicht gibt, aber meiner Meinung nach geben sollte. In vielen Momenten bin ich froh, mit der Deutschen Sprache einen so vielfältigen Sprachschatz zur Verfügung zu haben. Wenn ich mir aber zum Beispiel Mandarin so ansehe, fühle ich mich arm an Worten.

Es gibt so viele Ebenen bei einem Wort. Je nachdem, wann (in welcher Situation, zu welcher Tageszeit, durch welches Medium), wo („Hier ist nicht der richtige Ort, um das zu besprechen.“ – „Gibt es überhaupt einen richtigen Ort?“) und wie (Gestik, Mimik und Stimmlage) sie ausgesprochen werden, können ernste Worte plötzlich leicht werden oder simple Worte kompliziert. Es gibt Worte, die jemandem eine ganze Welt bedeuten, an die sie sich auf ewig erinnern. Und es gibt Worte, die einmal groß waren, aber durch „Abnutzung“ zu Unworten mutiert sind. (Das Wort Unwort ist übrigens ein seltsames Wort.)

Worte sind ein Ausdruck von Kultur. Viele Begriffe sind historisch gewachsen. Den Begriff historisch gewachsen liebe ich übrigens. Ich selbst bin ja auch historisch gewachsen. Hinter jedem Wort steckt eine Geschichte, die es bis hierhin gebracht hat. Geschichten aus unterschiedlichen Ländern, aus unterschiedlichen Epochen. Was mich direkt zu Redewendungen und sprachlichen Bildern bringt. Sich herauszuputzen, die Henkersmahlzeit essen, das blinde Huhn im Kornfeld … ist es nicht verrückt, welche Bilder wir jeden Tag zigfach nutzen, ohne dass wir wissen, woher sie ursprünglich kommen? Meine Kinder zeigen mir das ganz deutlich. Mein Sohn hinterfragt unermüdlich jedes Wort und jeden Satz, wenn er etwas noch nie gehört hat. Deswegen ist er auch einer meiner liebsten Gesprächspartner. Immer, wenn ich eine Redewendung für ihn nachgeschlagen habe, bin ich schlauer, denn ich habe die Welt ein bisschen mehr verstanden. Wie die Leute früher tickten, wie der Zeitgeist war, welche Rollenverteilungen und Berufe es damals gab. Habt ihr das schon mal gemacht? Einfach mal Redewendungen nachgeschlagen? Ich kann euch versichern: Es macht unheimlich viel Spaß!

Was mich bei Worten aber am meisten verblüfft: Dass so oft ein ganz kleines, einfaches Wort reicht, um etwas Großes zu bewirken, um Menschen näher zu bringen oder für immer zu entzweien. Dass kleine Worte so viel Bedeutung haben können. Hallo. Danke. Entschuldigung. Bitte. Schwanger. Mama. Friede. Hass. Glaube. Glückseligkeit. Und viele mehr. Ich finde, wir sollten häufiger lieber weniger Worte benutzen, dafür aber die richtigen und die treffenden. Weniger blabla, dafür mehr hopsasa und trallala. (Ja, zugegeben, beim SEO ist das etwas schwieriger, aber auch hier kann es klappen, nicht in Worthülsen zu versinken.) Auch das Wort Wort an sich hat übrigens Klasse. Ein ehrlich gemeintes „Ich gebe dir mein Wort.“ heißt ja eigentlich „Ich stehe dazu mit allem, was ich bin und was mir lieb und teuer ist.“ Und nicht zu vergessen das Ja-Wort! (Zu diesem Stichpunkt passt dann auch mein Beitragsbild, in dem ich meinem Mann das Ja-Wort gebe.)

Hach, jetzt sind die 10 Minuten schon um … hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Worte liebe? 😉

 


Das Konzept vom #10minBlog gefällt dir? Bei Maren Martschenko findest du noch mehr dazu.

guide Gründerinnenkonzeptwettbewerb Kristina Lutilsky Maren Martschenko

@Maren: Ganz tolle Idee von dir für eine mittlerweile ausgewachsene Blogparade, die vermutlich eigentlich gar keine sollte. Und wie schön, dass wir uns mittlerweile schon so lange kennen. Schau mal, dieses Bild habe ich kürzlich in meinem Archiv wiedergefunden – das war beim guide Gründerinnenkonzeptwettbewerb 2014. Ich bin immer noch froh, dass ich damals deine Markenberatung gewonnen habe. Von den Erkenntnissen und deiner Herangehensweise zehre ich immernoch regelmäßig.